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25.12.2016 - Es gibt zahlreiche gute Niskästen für Vögel, aber gute Nistkästen für Bienen und Wespen - oft als Insektenhotel bezeichnet - sind eine Rarität. Da ich vor kurzem Vater geworden bin, wollte ich kein Insektenhotel selber bauen, sondern es mir leicht machen und eines einfach kaufen. Bei der Suche nach einer geeigneten Herberge war ich überrascht, wieviel schlechte Qualität es auf dem Markt gibt. Meist handelt es sich mehr um Modeartikel, die eher Deko sind. Der Nutzen für Insekten spielt hier eine untergeordnete Rolle. Der Begriff “Hotel” ist übrigens schlecht gewählt, da Bienen dort nicht übernachten, sondern Ihre Brut dort unterbringen. Weit verbreitet sind Kombi-Insektenhotels, die für verschiedene Insektenarten eine Herberge bieten sollen. Meist sind die Besitzer enttäuscht, wenn ihre Insektenhotels nicht oder nur spärlich besiedelt werden. Aber auch bei den selbstgebauten Varianten werden oft viele Fehler gemacht.

Meist sind die Besitzer eines "Insektenhotels" enttäuscht, wenn diese Herbergen nicht oder nur spärlich besiedelt werden.
Dies sind die häufigsten Fehler, die man beim Bau bzw. Kauf vermeiden sollte:
1. Das falsche Holz: Ein weit verbreiteter Fehler ist das falsche Holz auszuwählen. Faseriges Holz wird von Bienen nicht angenommen. Ebenso sollte man darauf achten, dass die Fasern nicht quellen und so die Brut vernichten. Dies ist insbesondere ein Problem von weichem Nadelholz. In nicht ausreichend gelagertem Holz ist es zudem schwierig glatte Löcher zu bohren. Rissiges Holz wird ebenfalls nicht angenommen. Holz mit Braunfäule sollte natürlich auch keine Verwendung finden, da Braunfäule Cellulose abbaut. Weißfäule hingegen baut hauptsächlich Lignin ab und könnte so theoretisch der Wald-Pelzbiene den Einzug ermöglichen. Bei Verwendung von geeignetem Hartholz sollten im Idealfall verschieden große Löcher mit einem Durchmesser von 3 bis 10 mm vorhanden sein.
2. Die falsche Stängel-Auswahl: Nur wenige Bienen bevorzugen markhaltige Stengel. In diesem Fall sollten diese schräg und nicht waagerecht angebracht werden. Das Hinterende sollte geschlossen sein. Die Mehrheit der Bienen bevorzugt jedoch hohle Stengel, die am Hinterende geschlossen und waagerecht anzubringen sind. Unterschiedlich große Bambusstängel eignen sich hier besonders gut. Auch bei Stengeln ist darauf zu achten, dass diese nicht zersplittert oder ausgefranst sind.
3. Ungeeignete Ziegel: Der normale Lochziegel wird mit seinen breiten Löchern keiner Biene eine Herberge bieten können. Oft werden Gasbeton-Steine für Insektenhotels empfohlen. Jedoch nehmen diese Feuchtigkeit auf, sodass die Bienenbrut verpilzt. Es gibt jedoch Spezialziegel aus gebrannten Ton zu kaufen, die bereits verschiedene Löcher für Wildbienen aufweisen und durchaus geeignet sind. Auch ein normaler Lochziegel könnte aufgewertet werden, indem man Stängel in die Öffnungen schiebt.
4. Kein Schutz gegen Nässe: Ist das Insektenhotel nicht ausreichend vor Nässe geschützt kann die Brut verklammen und absterben. Außerdem leiden hierdurch die verwendeten Materialien und werden spröde oder faulen.
5. Integrierte Schlafplätze für Schmetterlinge oder Florfliegen: Das ein Schmetterling oder eine Florfliege dort einzieht ist äußerst unwahrscheinlich. Dies ist eher ein gutes Versteck für eine Spinne oder Ohrwürmer. Doch warum sollte man Ohrwürmer dort ansiedeln? Der Ohrwurm geht mitunter an die Bienenbrut. Man sollte diese Parteien also eher getrennt unterbringen. In einem von Läusen befallenen Obststrauch zum Beispiel macht sich ein umgedrehter Tontopf mit Heu als Ohrwurm-Haus viel besser.
6. Zapfen: Marienkäfer finden im Garten genügend anderen Unterschlupf und sind nicht auf derartige Hilfen angewiesen. Eher geeignet sind die Zapfen als Ohrwurm-Unterschlupf.
7. Intergrierter Hohlraum für Hummeln: Einige Insektenhotels enthalten einen Hohlraum mit einem Einflugloch für Hummeln. Diese Räume werden vom Großteil der Hummeln nicht angenommen, denn sie gehen lieber in Mäusenester im Boden. Höchstens die Baumhummel könnte sich hierfür interessieren. Aber Vorsicht: Die Baumhummel ist weniger friedfertig als andere Hummelarten und Hummeln können stechen!
8. Der falsche Standort: Das Bienenhotel sollte fest angebracht werden und nicht im Wind baumeln. Es sollte zudem gut von der Sonne beschienen werden. Ideal ist eine Süd- oder Südost-Ausrichtung.

Wenn man die genannten Punkte berücksichtigt, gibt es nicht viele geeignete Nisthilfen für Einsiedlerbienen und -wespen zu kaufen. Am Besten ist es natürlich eines selbst zu fertigen. Ich habe mich für ein kleines Bienenhotel aus Holzbeton entschieden, dass zur Hälfte mit Stängeln und zur anderen Hälfte mit durchlöchertem Ton gefüllt ist. Es wurde schnell angenommen und 15 Röhren waren belegt.
Man darf jedoch nicht zu viel erwarten. Seltene Arten in einem Bienenhotel vorzufinden ist eher unwahrscheinlich. In der Regel handelt es sich um häufige Arten, wie die Rote und die Gehörte Mauerbiene, sowie Lehmwespen. Diese besiedeln jedoch überraschend schnell geeignete Röhren und entzücken mit ihrem “flauschigen” Aussehen. Nicht vergessen sollte man auch, dass das beste Bienenhotel der lokalen Population nicht viel hilft, wenn kein geeignetes Nahrungsangebot besteht. Also weg mit dem Kiesgarten und her mit der Bienenweide!